New Kids On The Block Auf Damenhänden

 Von Sandra Danicke

Nicht mehr wirklich Kids, aber die Fans sind ja auch älter geworden.  Foto: dpa

Die New Kids On The Block begeistern in der Jahrhunderthalle Frankfurt ihr Publikum.

Dass das Publikum zu 99 Prozent aus Frauen Ende dreißig besteht, kann nicht ernsthaft verwundern. Gekommen sind jene, die in den Achtzigern leuchtende Augen bekamen, wenn von Jonathan, Jordan, Donnie, Danny und Joey die Rede war. Gut 25 Jahre später stehen sie schick frisiert in der Frankfurter Jahrhunderthalle, kreischen und halten Pappschilder hoch. Ganz so, als seien zwischenzeitlich weder Ehen geschlossen noch Kinder geboren worden.

Als sei die Band da vorne noch immer das Wichtigste auf der Welt. Noch bevor die fünf Angebeteten, die man inzwischen nicht mehr ernsthaft als Boygroup bezeichnen kann, die sich jedoch nach wie vor New Kids On The Block nennen, auf der Bühne erscheinen, reißen die Damen ihre Handys in die Höhe. Viele von ihnen werden den gesamten Abend auf ihre Bildschirme starren. Zwei Frauen in der ersten Reihe halten beschriftete Luftballons hoch. Stofftiere sind bei den NKOTB verpönt, seit Danny sich einst den Knöchel brach, als er über eines stolperte.

Im Konfettiregen

Bereits der erste Ton reißt das Publikum von den Sitzen. Man solle sich bereit machen, weggesprengt zu werden, heißt es in dem Song „Crash“ vom jüngsten Album „10“, und ein Konfettiregen streuselt auf die Menge. Die Herren sehen gut aus, adretter als zu Jugendzeiten (manche mit Hut, andere mit Glitzerschmuck) und topfit. Wenngleich der gelegentliche Einsatz von Barhockern, der dem Auftritt offenbar einen Sinatra-mäßigen Anstrich verleihen soll, womöglich nicht nur dramaturgische Gründe hat. Auch musikalisch ist alles drin: Neben eigenen Songs hat man eine Reihe von Coverversionen beliebter 90er-Hits im Programm.

„An intimate evening“ hatte das Tourplakat versprochen, doch wie viele Beteiligte verträgt ein intimer Abend? Und wie weit geht man? „Frankfurt Germany“ ist zu allem bereit: lauter schreien, Hände schwenken, „Oh yeah“ brüllen. Im Gegenzug schleudern die Bandmitglieder die Jacketts weg und präsentieren ihre Bauchmuskeln. Die Ladies auf dem Hochparkett stehen kurz vor der Ohnmacht. Einen Moment lang wähnt man sich bei den Chippendales und erwartet, dass die Hosen fliegen. Stattdessen regnet es Papierbänder. Dann kommt es noch besser: Plötzlich steht die Band im Publikum, stülpt sich von Fans geschenkte Deutschlandtrikots über, macht Selfies mit angereichten Mobiltelefonen, berührt Hände.

Nur mühsam gelingt es den beiden Luftballons, sich von der ersten Reihe in die neue Pole Position vorzuarbeiten. Gerade rechtzeitig, um Jordans Hintern zu grapschen. Der Sänger hat heute Geburtstag und lässt sich auf Damenhänden zurück zur Bühne tragen. Jetzt werden die zuvor verteilten Happy-Birthday-Blätter geschwenkt. Von der Bühne hagelt es Liebesschwüre. „Frankfurt Germany“ sei die Größte, heißt es immer wieder. Viel mehr kann man von einem intimen Abend nicht erwarten.

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